Die Tiger Leaping Gorge (虎跳峡, Hǔtiào Xiá) ist mit 3790 Metern eine der tiefsten Schluchten der Welt und befindet sich 60 Kilometer nördlich von Lijiang. Durch die Schlucht zieht sich der Jangtse, mit einem Durchflussvolumen von über 7000 cm^3. Bewohnt wird sie hauptsächlich von einer der vielen Minderheiten Chinas,  den „Naxi“.

Wir haben uns vorgenommen, den oberen Pfad der Schlucht zu bewandern, der über einige in den Bergen gelegene, kleine Dörfer zum unteren Pfad führt. Mit 24 Kilometern, und vielen Höhen-Metern ist das Ziel des ersten Tages das Halfway-Inn, welches das letzte Drittel des oberen Pfades markiert. Mit dem Bus erreichen wir die Schlucht gegen 11 Uhr. Der Bus setzt uns an einer matschigen Straße am Anfang der Schlucht ab. Entlang der Schlucht gibt es Trampelpfade und steinige Aufstiege, doch ordentlich gepflasterte Wege sucht man vergebens.
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Der Aufstieg ist anstrengend, und immer wieder muss man aufpassen wo man hintritt. Gelegentlich trifft man einen Naxi, der Wasser und Früchte verkauft, und zu unserem erstaunen auch getrocknetes Marihuana, schon interessant wenn man bedenkt dass der Besitz von Cannabis in China hochgradig illegal ist. Auch auf dem Weg sieht man die Cannabis-Pflanzen immer wieder zwischen Mais und Kürbis wachsen. Wahlweise kann man sich für 200 RMB auch auf dem Rücken eines Mulis den Berg hinauf tragen lassen.
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Die Aussicht die einem geboten wird ist atemberaubend: Wolken schlängeln sich entlang des Tals und zwischen den Bergkämmen. Es wirkt fast als würde man eine Insel in den Wolken betrachten. Unten am Grunde der Schlucht sieht man den Jangtse zunehmend an Stärke gewinnen. Durch etliche Regenfälle ist das Wasser braun gefärbt. Im Wechsel durchqueren wir Bambus- und Nadelwälder, und auf den Pfaden trifft man grasende Yaks und Gemse.
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Auf der Hälfte des Aufstiegs fängt es an zu regnen. Zum Glück haben wir den oberen Teil des Pfades bereits erreicht, als  der Regen zunehmend stärker wurde. Ein Regencape hatte ich zwar dabei, doch selbst das hilft nicht gegen den teilweise von der Seite kommenden Regen. Zunehmend wird der Pfad zu einem kleinen Bach, und die Steine rutschig. Trockene Füße sind jetzt nicht mehr möglich, und auch die Hose saugt sich mit Wasser voll.

Durchnässt erreichen wir das Halfway-Inn, in dem Tee und eine warme Dusche auf uns warten. Wir quartieren uns im 10 Personen-Schlafsaal ein, von dessen Eingang man einen wunderschönen Ausblick auf die Berge der anderen Seite der Schlucht hat. Durch die Regenfälle gibt es Probleme mit der Elektrizität, aber mit Kerzen und Bier lässt sich daraus ein schöner Abend machen. Mich stört das auch nicht sonderlich, abgesehen von meiner Kamera habe ich eh alles in Lijiang gelassen. Allein die Aussicht von der Open-Air Toilette wäre den Preis eines Zimmers wert.
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Am zweiten Tag quälen wir uns in die nassen Schuhe, aber die Belohnung folgt bereits nachdem wir die erste Kurve passieren: Riesige Wasserfälle, beeindruckende Klippenpfade und Wolkenspiele lassen den ersten Tag fast schon verblassen. Hier werden die nassen Schuhe fast schon zum Vorteil, denn die Wasserfälle verlaufen direkt über den Pfad. Also einfach durchgelatscht, die Füße sind ja eh nicht mehr trocken.
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Der Abstieg gestaltet sich aufgrund der glatten Oberflächen und des Schlamms zwar leicht problematisch, aber klappt bis auf die ein oder andere Rutschpartie ohne ernsthafte Verletzungen. Erschöpft erreichen wir Tina’s Guesthouse auf dem unteren Pfad der Schlucht. Von hier aus kann man noch bis zum Grunde der Schlucht gehen, doch da täglich nur ein Bus zurück fährt fehlt uns leider die Zeit. Gelohnt hat es sich trotzdem.
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